Interview mit Dipl. Ing. Fabian Schüppel

Fabian Schüppel

Haben Elektroautos eine Zukunft und würde das deutsche Stromnetz die Zusatzbelastung durch eine größere Anzahl an Elektrofahrzeugen verkraften? 

Elektroautos bieten im Gegensatz zu Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor die Möglichkeit sich lokal emissionsfrei zu bewegen. In Ballungsräumen (vgl. Umweltzonen in Deutschland) in denen auch durch den Verkehr eine geringe Luftqualität entsteht, lässt sich durch Elektrofahrzeuge die Luftqualität verbessern. Zudem können durch den niedrigeren Lärmpegel auch die Lärmemissionen durch Elektrofahrzeuge reduziert werden.
In Deutschland wurden 2009 etwa 597 TWh Stromenergie erzeugt. Die Jahreshöchstlast lag bei 72 GW Leistung. Für die bis 2020 von der Bundesregierung angestrebten 1 Mio Elektrofahrzeuge in Deutschland, würden bei einer durchschnittlichen Jahresfahrleistung von 12.000 km p.a. eine zusätzliche Energie in Höhe von 2,3 TWh (entspricht einer Energiezunahme von 0,4 %) und bei gleichzeitiger Ladung der gesamten E-Fahrzeuge eine Mehrbelastung des Netzes von 3 GW (entspricht einer Leistungszunahme von ca. 4 %) anfallen. Beides stellt weder ein Problem für die Netze, noch für die Kraftwerke dar, zumal im real nur ein geringerer Anteil der Fahrzeuge wirklich gleichzeitig laden.

Sind Elektroautos auch dann sinnvoll und ein Gewinn für die Umwelt, wenn der Strom nicht aus alternativen Energien gewonnen wird?

2009 entstand beim deutschen Strommix etwa 580 g CO2 pro erzeugter kWh Strom. Die derzeit in Flottenversuchen verwendeten Elektrofahrzeuge Mini E und Smart ED benötigen etwa 0,12 kWh/100km. Im NEFZ-Testzyklus ergäbe das CO2-Emissionen in Höhe von 70g/km. Dieser Wert liegt zwar unter dem derzeit besten Fahrzeug mit Verbrennungsmotor (Smart CDI mit 88 g/km), jedoch ist der Abstand vergleichsweise gering. Zudem werden durch den Atomausstieg und die dadurch stärkere Gewichtung der Kohlekraftwerke für den Strommix die Emissionen bei der Stromgewinnug steigen.
Erst durch eine CO2-neutrale Stromgewinnung kann durch die Verwendung von Elektrofahrzeugen der Kohlendioxidausstoß reduziert werden! Auf der anderen Seite macht es natürlich wenig sinn, erst dann Elektofahrzeuge zu entwickeln und zu bauen, wenn der Anteil an alternativen Energien zu einer merkbaren Verringerung der der CO2-Emissionen geführt hat, da die Entwicklung von Batterieelektrischen Serienfahrzeugen viel Zeit in Anspruch nimmt und zudem die Fahrzeuge relativ lange gehalten werden. Andersfall besteht die Gefahr in einer Henne-Ei-Schleife zu landen bei dem die Kraftwerksbetreiber auf die Autoindustrie wartet und ungekehrt.

Werden sich Elektroautos durchsetzen?

Eine eindeutige Aussage ist hier leider nicht möglich. Zu viele Faktoren spielen bei der Durchsetzung der Elektromobilität eine entscheidende Rolle. Der Ölpreis und die Verfügbarkeit von Öl oder auch gesetzliche Regelungen (zum Beispiel Ausdehnung und Verschärfung der Umweltzonen) sind nur einige davon. Insgesamt lässt sich sagen, dass es Bereiche gibt, in denen es äußert sinnvoll ist, Elektrofahrzeuge zu betreiben. Aber es gibt genauso Bereiche, in denen es wenig Sinn macht oder es nicht möglich ist. Für den täglichen innerstädtischen Kurzstreckenverkehr etwa bietet sich die Verwendung von Elektrofahrzeugen an, da sie die Möglichkeit bieten, Bremsenergie zurückzugewinnen und lokal emissionsfrei zu fahren. Aus Japan sind die ersten Serienfahrzeuge
in diesem Jahr auf dem Markt Verfügbar und auch Opel bietet als erster deutscher Hersteller ein Fahrzeug an, mit dem rein elektrisch gefahren werden kann. Derzeit ist es in Berlin und anderen Modellregionen beispielsweise möglich, einen Elektrosmart oder einen Elektromini zu leasen. Bei den derzeitigen Batteriepreisen und -gewichten sind allerdings Elektrofahrzeuge für Langstreckenverkehr schwer vorstellbar. Ähnlich verhält es sich im Lastwagenfernverkehr. Andererseits bieten Elektrofahrzeuge mit Energiespeichern wie Batterien auch die Möglichkeit, Energie zwischenzuspeichern, um das Problem von wetterabhängiger Energieerzeugung (Wind- und Sonnenenergie) zu kompensieren.

Gehört den Elektroautos die Zukunft? Gibt es Alternativen?

Erdgas bietet bspw. viele Vorteile gegenüber Benzinkraftstoff, da es einen geringeren Kohlenstoffanteil besitzt und so bei gleichem Verbrauch auch deutlich weniger CO2 entsteht. Derzeit sind die Akzeptanz beim Verbraucher und die Größe des Tankstellennetzes jedoch noch etwas zu gering.  Wasserstoff hat eine sehr geringe volumetrische Speicherdichte, das heißt, dass auch in diesem Fall nur vergleichsweise geringe Reichweiten möglich sind. Zusätzlich gibt es derzeit noch große Kostenprobleme bei den Brennstoffzellen. Wasserstoffbetriebene Brennstoffzellenfahrzeuge werden in naher Zukunft nicht für den privaten Nutzer erschwinglich werden. Erdgas kann als eine Brückentechnologie verstanden werden. Für bestimmte Anwendungs-fälle (Fernverkehr) gibt es Vorteile gegenüber der Elektromobilität, da die Reichweite von Batterieelektrischen Fahrzeugen z.Z noch begrenzt ist.

Dipl. Ing. Fabian Schüppel ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter der TU-Berlin

(Institut für Land- und Seeverkehr (ILS) Fachgebiet Kraftfahrzeuge)

http://www.kfz.tu-berlin.de/menue/ueber_uns/mitarbeiter/fabian_schueppel/

 

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