Interview mit Stefanie Lorenz

Was genau sind die Aufgaben eines Klimaschutzmanager/in und wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus?

Klimaschutzmanagerin Stefanie Lorenz Als Klimaschutzmanagerin der Stadt Lörrach bin ich für vier Bereiche zuständig. Zuerst einmal die Leitung der Stabstelle "Klimaneutrale Kommune". Hier leite ich ein Team von fünf MitarbeiterInnen aus dem Bereich Klimaschutz, Energiemanagement und Nachhaltigkeit. Zweitens bin ich für die Umsetzung der Maßnahmen aus unserem Klimaschutzkonzept zuständig. Hier geht es konkret um die Erstellung von Quartierskonzepten, Sanierungsmaßnahmen, Errichtung von PV-Anlagen und den Aufbau von neuen Wärmenetzen im Stadtgebiet. Der dritte Bereich ist die Einführung und Konzeptionierung von neuen Klimaschutzprojekten. Zum Beispiel sind wir gerade dabei das Projekt Stromsparcheck für einkommensschwache Haushalte in Lörrach zu initiieren. Hier werden in Kürze Stromsparhelfer eine Energieeinsparberatung in einkommensshwachen Haushalten durchführen. Der vierte Bereich meiner Tätgikeit liegt im Bereich Öffentlichkeitsarbeit. Wir werden Ende April ein Bürgersymposium veranstalten, laden regelmäßig zu Netzwerktreffen ein, veröffentlichen die Energiestadtzeitung und gerade läuft ein Wettbewerb für einen Logoentwurf für die Klimaschutzkampagne.
     

An welchem Punkt des Klimaschutzkonzeptes der Stadt Lörrach arbeiten Sie derzeit und wo sehen Sie das größte Konfliktpotential/Arbeitsbedarf?

Gerade arbeiten wir intensiv an der Erstellung von zwei Quartierskonzepten für die Stadtviertel um den Hauptbahnhof. In einem Quartierskonzept wird der Bedarf an energetischer Sanierung im Stadtquartier erhoben. Für jedes Gebäude wird der aktuelle Sanierungsstand und das Potential zur energetischen Sanierung aufgezeigt. Gemeinsam mit den Bewohnern des Quartiers wird ein Konzept zur energetischen Sanierung und zum Aufbau eines Wärmenetztes im Quartier ausgearbeitet. Demnächst wird die erste Informationsveranstaltungen für die Anwohner stattfinden. Das fertige Quartierskonzept soll bis im Herbst 2013 vorliegen und dann von einem Sanierungsmanager in Zusammenarbeit mit den Gebäudeeigentümern umgesetzt werden. Von städtischer Seite Anreize für die Sanierung von Bestandsgebäuden zu setzten ist nicht einfach. Insbesondere wenn die Gebäude im Besitz von mehreren Eigentümern sind. Hieran werden wir die nächsten Jahr noch intensiv arbeiten, um die Sanierungsrate im Stadtgebiet tatsächlich wie geplant zu steigern. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) fördert die Energiewende mit unterschiedlichen monetären Aktivitäten.

Sind Fördermittel der richtige Weg oder eher z.B. die Kommunikations- und Aufklärungsarbeit eines Klimamanager/in?

Ich würde sagen: die Mischung macht's. Oftmals reicht ein reines Förderprogramm nicht aus, da die Zielgruppe nicht über das Angebot informiert ist oder Hilfestellung benötigt, um sich im Dschungel der Förderlandschaft zurecht zu finden. In vielen Fällen zeigt sich, dass Fördergelder nicht abgerufen werden, weil die Zielgruppe nicht ausreichend informiert ist. Gleichzeitig reicht eine reine Informationskampagne nicht aus, sondern es bedarf auch der Förderanreize. Das muss übrigens nicht immer Geld sein. Oftmals sind Beratungsleistungen oder die Garantie von Qualität (z.B. von Handwerksbetrieben) ebenfalls ein wichtiges Kriterium, um die Hemmschwelle zu überwinden.

Die klimaneutrale Kommune - ein Ziel, das sich inzwischen viele Städte und Gemeinden in Deutschland und Europa gesetzt haben. Doch welche Möglichkeiten haben Kommunen, die sich trotz „leerer Kassen“ und der sog. Euro-Krise für den Klimaschutz engagieren wollen?

Auf Bundesebene stehen im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative/BMU zahlreiche Förderprogramm auch für finanzschwache Kommunen zur Verfügung. Hier werden, je nach Finanzlage der Kommune, bis zu 90% der Kosten übernommen. Außerdem gibt es eine Reihe von Maßnahmen, die sehr effektiv sind, aber nichts kosten. Dazu gehört die Verabschiedung von städtischen Energierichtlinien, die Finanzierung von energetischer Sanierung (z.B. Gebäudetechnik) über kostenneutrale Contracting Verträge und viele weitere Programme, die nichts oder wenig kosten oder sich innerhalb kürzester Zeit bezahlt machen. Es gibt übrigens viele Städte klammer Finanzlage, die sich trotzdem engagiert für den Klimaschutz einsetzen. In Lörrach haben wir das Problem der "leeren Kassen" zum Glück nicht.

Wird die Stadt Lörrach 2050 klimaneutral sein?



Auf jeden Fall.

 

Stefanie Lorenz ist Projektleiterin und Klimaschutzmanagerin der Stadt Lörrach

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